Der 8. Gredinger Trachtenmarkt am 1./2. September 2001

Ein Bericht von Dr. Bernd Zimmermann, Niendärsche Kaumelkers e.V., Horsten

Zum 8. Mal fand am ersten Septemberwochenende in Greding der Trachtenmarkt statt. Der typisch Norddeutsche fragt sich natürlich erst einmal, wo Greding denn überhaupt liegt. Greding liegt, und das ist nun fast nicht anders zu erwarten, in Bayern und zwar in Mittelfranken, südlich von Nürnberg, direkt an der A9 Nürnberg-München.

Wir alle kennen doch die Probleme, die damit verbunden sind, die richtigen Materialien für unsere jeweiligen Trachten zu bekommen, die nötigen Informationen aufzutreiben oder andere Steine aus dem Weg zu räumen, wenn wir uns mit Tracht und allem was dazugehört beschäftigen. Genau da will der Gredinger Trachtenmarkt helfen.

Ansicht vom Markt: im Bild drei der "Exoten aus dem Norden"

Der Trachtenmarkt wird vom Bayrischen Landesverein für Heimatpfleflege, dem Bezirk Mittelfranken und der Stadt Greding veranstaltet. Er wird gefördert (man höre und staune !) aus Mitteln des Bayrischen Staatsministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst.

Der Trachtenmarkt ist genau das Richtige für alle, die Trachten anschauen, kennenlernen, erforschen, selber nähen oder kaufen möchten. Auf dem Markt sind Handwerker, Hersteller, Händler und Importeure für Trachten vertreten. Man findet dort die Trachtenberater und Heimatpfleger der bayrischen Bezirke, die Arbeitsgemeinschaften der ScheiderInnen und der Volksmusik.

Mann mit Zylinder: der "nördlichste Teilnehmer" dieses Jahr Jürgen der Vierländer

Neben Stoffen, Litzen und Besatz, die man kaufen kann, trifft man viele Leute, die sich mit Tracht beschäftigen. Man findet Hilfe und Informationen und kann sich mit anderen kundigen Menschen austauschen. Ein interessantes Vortragsprogramm rundet die Veranstaltung ab (siehe Bericht dazu).

Natürlich muß man schon am Freitag anreisen und erst am Sonntag abfahren, sonst lohnt sich der weite Weg nicht. Das es sich lohnt, können wir nur bestätigen. Wir finden jedesmal tolle Dinge, die wir brauchen und treffen interessante Leute mit denen man sich über Tracht austauschen kann. Wir erfahren oft neue Dinge und können auch unsere Erfahrungen und Erkenntnisse weitergeben.

Gruppenbild mit Dame die Schaumburger und der Vierländer

Am Samstag Abend geht es dann in den Gredinger Wirtshäusern lustig zu. Seit zwei Jahren findet das "Rumlumpen" statt. Musikkapellen aus unterschiedlichen Regionen, diesmal auch aus Finnland und Tschechien, streifen von Gasthaus zu Gasthaus und spielen auf. Man braucht also keine Angst zu haben, etwas zu verpassen, die Musik kommt zu einem an den Tisch. Getanzt wird auch, selbst in der kleinsten Hütte ist dazu Platz und beim Getränk mit den Ausstellern kann man wohlmöglich noch ein Schnäppchen verhandeln, oder die fachkundigen Gespräche gehen weiter.

Party ohne Ende: die Dudelsackkapelle Ledche aus Tschechien am Sonntag

Wir können nur allen Interessierten wärmstens empfehlen, mal nach Greding zu fahren und das Wochenende dort zu verbringen. Es ist einmalig. Auch kann man dann den Bayern einmal zeigen, wie viele Trachten es in Norddeutschland gibt, denn man wird natürlich oft angeschaut, wie ein Auto, wenn man sagt, man kommt aus Niedersachen. Von Schaumburger Tracht haben sie dann doch schon mal was gehört, oder auch von Scheeßel, aber es fällt den Bayern doch oft der Unterkiefer runter, wenn man erzählt, wie viele andere Trachten es in Niedersachen noch gibt.

Vor diesem Hintergrund stimmt es traurig, das es nichts Vergleichbares in Norddeutschland gibt. Oft werden wir von den Händlern angesprochen, so etwas doch mal im Norden zu veranstalten. Sie würden gerne dabei sein. Natürlich wollen die Händler etwas verkaufen, aber die Mischung von Händlern, Trachtenkundlern, Schneidern und anderen macht den Erfolg des Gredinger Trachtenmarktes aus und auch so mancher Händler kann einem bei Problemen weiterhelfen.

Auch die Tatsache, daß das Bayrische Wissenschaftsministerium so etwas mit Geld unterstützt, zeigt den Stellenwert der Trachtenforschung in Bayern. In Niedersachsen können wir froh sein, wenn es Regionen gibt, wo lokale Landschaftsverbände aus Ihren Mitteln ein paar Mark zuschiessen, die sie im günstigsten Fall vom Landkreis dazu bekommen haben. Vergleichen kann man diese Beträge aber nicht und das sollten wir irgendwie einmal ändern - aber das ist ein ganz anderes Thema.